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Neuausgabe als E-Book, in Vorbereitung

Zeit der Entscheidung

Zu Romano Guardinis Deutung der Gegenwart. Die Untersuchung erschien 1990 in Fridingen an der Donau (186 Seiten) und wird nun als E-Book neu zugänglich gemacht.

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I. Das Erbe Romano Guardinis

1. Kategorie „Neuzeit“

Romano Guardini versteht unter dem Begriff der Neuzeit nicht nur eine historische Epoche, sondern ein bestimmtes Verhältnis des Menschen zum Sein, zur Welt und zu sich selbst.

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Lina Börsig-Hover Zeit der
Entscheidung
Zu Romano Guardinis
Deutung der Gegenwart
E-Book

Lina Börsig-Hover

Zeit der Entscheidung

Zu Romano Guardinis Deutung der Gegenwart

Erstausgabe Fridingen an der Donau 1990
Neuausgabe als E-Book

Inhalt

  • Sinn der Zeit. Eine Einführung
  • I. Das Erbe Romano Guardinis
  • 1. Kategorie „Neuzeit“
  • 2. Neuzeitliche Daseinsdeutung
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Sinn der Zeit. Eine Einführung

Der Sinn einer Kulturepoche liegt letztlich nicht darin, daß der Mensch zu immer größerer Naturbeherrschung gelangt, sondern daß er die Gestalt des Daseins hervorbringt, welche die Geschichte fordert.

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Der heutigen Zeit ist eine zweifache Aufgabe gestellt. Das menschliche Leben hat das zu werden, was es immer schon war und ist. Die Zeit drängt zu dieser Entscheidung.

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„Alles wird also darauf ankommen, ob es dem Menschen gelingt, als Person zu leben und als solche diese Welt überhaupt zu gestalten.“

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Worum es geht

Für Romano Guardini ist die Neuzeit nicht nur eine historische Epoche, sondern ein bestimmtes Verhältnis des Menschen zum Sein, zur Welt, zur Natur, zur Kultur und zu sich selbst.

Das Buch zeichnet nach, wie Guardini diese Bewusstseinslage im Vergleich mit Antike und Mittelalter herausarbeitet: das Maß, die kleine Zahl und die Gestalt der Antike; die symbolische, organische Weltschau des Mittelalters; schließlich die neuzeitliche Trennung von Subjekt, Natur und autonomer Kultur.

Daraus ergibt sich die eigentliche These: Die Neuzeit ist an ihr Ende gekommen. Was nun in die Zeit eingeholt werden will, ist nicht mehr die Persönlichkeit, das Genie oder der große Einzelne, sondern das Personale, und darin ist jeder Einzelne angesprochen. Die Zeit drängt zu einer Entscheidung, die der Mensch bewusst fällen muss.

Neben Guardini kommen Heidegger, Steinbüchel, Troeltsch, Landsberg und Berdjajew zu Wort; die Untersuchung verbindet Geschichtsphilosophie, Anthropologie und Ontologie.

Leseprobe aus der Einführung „Sinn der Zeit“

Der Sinn einer Kulturepoche liegt letztlich nicht darin, daß der Mensch in ihr zu immer größerer Wohlfahrt und immer größerer Naturbeherrschung gelangt, sondern daß er die Gestalt des Daseins und die menschliche Haltung hervorbringt, welche die Geschichte jeweils fordert.1 Die Gestalt des Daseins umspannt das Verhältnis von Welt und Person. Aus dieser Zuordnung ergibt sich das, was Gestalt der Welt genannt werden kann. Eine sinnhafte Weltgestaltung, und damit gleichsam eine seinsollende Gestaltung, setzt den Menschen in seinem personalen Sein voraus. Welt gestaltet somit nicht ein Subjekt oder ein Individuum, sondern der Mensch als Person.

Der heutigen Zeit ist eine zweifache Aufgabe gestellt. Zum einen geht es um die Daseinsgestaltung. Das menschliche Leben hat das zu werden, was es immer schon war und ist. […] Zum anderen besteht die Hauptaufgabe der Epoche darin, dafür sensibel zu werden, was die eigentliche Daseinsgestalt ist, die von der Geschichte gefordert ist. […] Die Zeit drängt zu dieser Entscheidung. Ohne die bewußt gefällte Entscheidung kann die Zeit ihre Aufgabe nicht erfüllen, weil der Weg schon das Ziel beinhaltet.

Alles wird also darauf ankommen, ob es dem Menschen gelingt, als Person zu leben und als solche diese Welt überhaupt zu gestalten. Das, was Welt ist, ist etwas, was sich der Mensch zunächst nicht denken kann. Sie wird durch die personale Tat des Menschen als Welt hervorgebracht. Es erfordert geistige Weitsicht, Wahrheitsliebe, Gerechtigkeitssinn, richtige Selbsteinschätzung und Liebe, um sie zu dem werden zu lassen, als was sie von Anbeginn gedacht ist und was in ihr immer schon angelegt ist.

1 Vgl. Romano Guardini: Kultur als Werk und Gefährdung, in: ders., Sorge um den Menschen, 1963, 28.

Aus dem Inhalt

  1. Sinn der Zeit. Eine Einführung
  2. I. Das Erbe Romano Guardinis
    1. 1. Kategorie „Neuzeit“
    2. 1.1 Antikes Lebensgefühl
    3. 1.2 Mittelalterliche Bewusstseinslage
    4. 1.3 Neuzeitliche Bewusstseinslage
    5. 2. Neuzeitliche Daseinsdeutung
    6. 2.1 Verhältnis zur Natur
    7. 2.2 Verhältnis zur Kultur
    8. 2.3 Persönlichkeit als Normbild
    9. 2.4 Autonomie, Verobjektivierung des Menschseins, Differenzierung, Kontingenz und Primat des Ethos

Besprochen in

  • Franz Roth, in: Christlich-pädagogische Blätter (1991), Heft 4.
  • Ludwig Watzal, in: Bundeszentrale für politische Bildung (1992), Heft 1, 81.
  • Richard Niedermeier, in: Forum Katholische Theologie, 8. Jg. (1992), Heft 3, 226–228.
  • Johannes Singer, in: Theologisch-praktische Quartalschrift 140 (1992), Heft 4, 411.
  • Eva-Maria Faber, in: Theologische Revue 93 (1997).

Die Untersuchung schließt an Das personale Antlitz des Menschen (1987) an. Alle Rezensionen